Que(e)r

Que(e)r-Programm / November 2002

6. November:

La Lucha Sigue

Bilder aus dem indigenen Widerstand in Mexiko. Ein Abend der sich der aktuellen Situation indigener Widerstandsbewegungen in Südmexiko widmet und Möglichkeiten für Solidaritätsarbeit hier und in Mexiko aufzeigen soll. Dazu wird es einen aktuellen Erfahrungsbericht aus den Widerstandsgemeinden der ZapatistInnen, ein Diavortrag über eine zapatistische Kaffeekooperative und Videos über den CIPO-RFM, eine anarchistische Basisorganisation in Oaxaca, geben.

In einer offenen Diskussion soll über die Sinnhaftigkeit von Menschenrechtsbeobachtung eingegangen werden. Dazu gibt es Infos zu aktuellen Seminaren zur Friedensbeobachtung in Mexiko und zu ZeugInnenbegleitung in Guatemala.

13. November:

Kuschelkino: Hairspray

Haarsprayfixierte Turmfrisuren, Polyester-Rüschenkleidchen und merkwürdige Tänze bilden den Stoff, aus dem die Träume in Baltimore anno 1962 sind. Wie das dicke, lebensfrohe Mauerblümchen Tracy die verwöhnte Amber vom Thron einer Musik- und Tanz-TV-Show verdrängt, erzählt Trash-"Papst" John Waters ("Serial Mom, Pink Flamingos...") mit Scharfblick für soziale Mißverhältnisse, mit seinem Lieblingsmimen Divine in einer seiner besten Rollen als Tracys Mutter.

20. November:

Wählen oder Wahlboykott?

Nach dem fulminanten Ende der Blau-Schwarzen Regierung stellt sich wieder einmal die Frage: soll die radikale Linke den Wahllokalen fernbleiben, oder soll sie, um einen Beitrag gegen eine Neuauflage dieser Koalition zu leisten, ihre Stimme abgeben.

Nach einleitenden Worten findet eine Podiumsdiskussion mit Gästen statt. Wir hoffen natürlich auch auf rege Beteiligung eurerseits.

27. November:

Die nationalsozialistische Ästhetik Leni Riefenstahls

Von Georg Seeßlen stammt die These, dass die deutsche Kultur fünfzig Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus faschistischer sei als zu Hitlers Lebzeiten, "politisch entschärft und privat verschärft" und sich tendenziell weiter faschisiere. Einiges spricht für diese These, was aber vor allem beobachtbar ist, ist das besinnungslose Revival kultureller und ästhetischer Vorstellungsstränge jener Zeit. Scheinbar unverdächtig, durch langes Beschweigen aus dem Erinnerungskontext gerutscht, durch Abwesenheit oder Nichtzurkenntnisnahme von Kritik kaum entlarvt, erfreuen sich die alten Kamellen seit Jahren ständiger wachsender Beliebheit, entweder versehen mit dem Label des "Neuen" oder des "Wiederentdeckten". Leni Riefenstahl ist so ein Fall. Viel Zeit ist seit damals vergangen, jetzt darf mann endlich die "prominenteste Untote des Nationalsozialismus" mitsamt ihrer Ästhetik feiern. Eine Ästhetik, die von nicht wenigen als bahnbrechend gefeiert wird und dabei nichts weiter tat, als einer menschenverachtenden Ideologie das adäquate Bild, die adäquate Darstellung zu geben. Wie wenig diese Zeiten und ihre psychischen und ideologischen Inhalte vorbei sind, beweist der sich enthemmende Umgang mit Leni Riefenstahl und ihrem Werk.

Im Vortrag wird der Versuch unternommen, anhand von Leni Riefenstahls Aussagen und ihrer Produktion sowohl sie selbst als auch das gesellschaftliche Bedürfnis nach dem Faszinosum der nationalsozialistischen Ästhetikproduktion zu analysieren.