que[e]r

que[e]r-Programm / Februar 2009

Alle Veranstaltungen finden in unseren neuen Location im Herzen des Stenzellands (Wipplingerstr. 23 / 1010 Wien) statt - manchen wird sie noch als die "Brücke" ein Begriff sein - und beginnen um 20:00, geöffnet ist das que[e]r ab 18:30.

Der Eintritt ist immer kostenlos!!!

Weitere Infos gibts auf der que[e]r-Übersichtsseite

Das aktuelle Programm gibt es auch als PDF und als Webkalender!

Mittwoch 04. Februar:

Schwulenbewegung von gestern, über morgen, heute sowieso

Die Schwulenbewegung hat einen herausragenden Beitrag zur Zerstörung alter "Männlichkeits"bilder geleistet. Wie genau sah dieser Beitrag aus, und was ist zukünftig auf diesem Gebiet zu erwarten? Das Ende der Selbstpathologisierung und der Anschluss an emanzipatorische und feministische Diskurse haben die Schwulenbewegung gesellschafts- und damit kapitalismuskritisch gemacht.

Allerdings ist sie auch ein Paradebeispiel für die Integrationskraft kapitalistischer Gesellschaftsordnungen. Der assimilationswillige Teil der Bewegung hat sich deutlich gegen den destruktiven durchgesetzt. Die Möglichkeit der Teilhabe am Bestehenden hat den Kampf für die neue Liebes(un)ordnung stark geschwächt. Aber noch sind die Verbindungen zu Feminismus und Gesellschaftskritik nicht gekappt. In dieser Veranstaltung wollen wir deshalb der Frage nachgehen, wie sich diese Verbindungen wieder stärken lassen und welche Impulse queer theory und kritische Männerforschung dabei geben können.

Infoveranstaltung und Diskussion.

Mittwoch 11. Februar:

Unter Gleichen: Politik als Akt und queere Walküre in Bryan Singers Stauffenberg-Kinothriller "Operation Walküre"

Beim Wandel der Kino- und TV-Inszenierungen von Stauffenbergs Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 geht es um Bilder, die sichtbar machen, was als geschichtswirksam und ereignishaft zählen soll. Seit rund 60 Jahren erscheint der Oberst mit Augenklappe und Handstumpf mal als Republikaner, Modernisierungsverächter oder Modelleuropäer, mal als biopolitischer Normtypus oder kreativer Wissensarbeiter – und immer als Verkörperung eines "anderen Deutschland". Bryan Singers "Operation Walküre" mit Tom Cruise legt es nahe, den Umsturzversuch als politischen Akt zu sehen: als Bestreitung einer Ordnung durch Que(e)rung und Egalisierung, deren einzige Voraussetzung der (soziale, kulturelle, identitäre) Tod ist.

Vortrag mit Buchpräsentation von Drehli Robnik

Drehli Robnik: Geschichtsästhetik und Affektpolitik. Stauffenberg und der 20. Juli im Film 1948-2008. Turia + Kant, Wien 2009

Mittwoch 18. Februar:

Sabotage am Arbeitsplatz, Schabernack und Widerstand

Es gibt unerlaubte Handlungen im (Berufs-)Leben, von denen durchaus geredet wird – aber nur hinter vorgehaltener Hand. Die Rede ist vom notwendigen Aufbessern des Gehalts in prekären Arbeitsverhältnissen; vom Reiz der unwiderstehlichen Gelegenheit; vom Mitschneiden und Mitnaschen, weil es die anderen und ganz besonders »die da oben« auch tun; von der zwar nicht erlaubten, aber legitimen Eigeninitiative und der sozialen Rebellion; aber auch vom kindischen Unfug, sanften Verweigern, cleveren Austricksen, kreativen Schabernack – nur wenn von der Rache am Chef berichtet wird, kommt mitunter auch ein bitterer und ernsthafter Ton ins Spiel.

Neben einer Lesung aus dem "Lexikon der Sabotage" von Bernhard Halmer und Peter A. Krobath (Sonderzahl Verlag) könnte auch über eigene Erfahrungen am Arbeitsplatz diskutiert werden.

Mittwoch 25. Februar:

AS.ISM - gegen sexistische Zustände - Broschüren-Präsentation und Austausch über antisexistische Praxis

Die Diskussion um Sexismus und sexuelle Gewalt in der Linken hat Trendphasen und dann wieder eine schwächere Konjunktur. Nicht selten hängt Aufschwung und Abstieg der Debattenfreudigkeit mit einem aktuellen Fall von Sexismus oder sexueller Gewalt zusammen. Jedoch zeigt sich dabei immer wieder, dass diese Auseinandersetzungen einer relativ großen Unsicherheit aufgrund fehlender politischer Standarts gegenüberstehen. Fernab dieser konkreten Aufhänger wollen wir deshalb grundsätzlich über eine antisexistische Praxis diskutieren.

Das Antisexismusbündnis Berlin ist ein Zusammenschluss mehrerer regionaler Gruppen, die seit nun mehr vier Jahren versuchen den Themenkomplex Sexismus und sexuelle Gewalt kontinuierlich als gleichwertiges Diskurs- und Praxisfeld in der Linken zu etablieren. Einige Vertreterinnen des Bündnisses wollen heute das ASB und ihre neue Broschüre vorstellen und sich mit euch über eine antisexistische Politik, Betroffenenunterstützung und den status quo austauschen. Dabei soll es aber auch um einen Erfahrungsaustausch antisexistischer Praxen in linken Räumen gehen. Welche Probleme dabei immer wieder auftauchen,welche Strategien im Umgang damit möglich sind und wie gegen hartnäckige und verkrustete sexistische Strukturen angekämpft werden kann. Da mit Sicherheit auch ihr zu diesem Thema aus einem großen Erfahrungsschatz schöpfen könnt, freuen wir uns auf eine interessante Diskussion.